Mutec MC-3+ Smart Clock USB – Bits neu aufgereiht (Teil 2)

Kommen wir zum weitaus unterhaltsameren zweiten Teil: wie klingt MC-3+ Smart Clock USB mit unterschiedlichen digitalen Zuspielern? Gehört habe ich mit:

  1. einem audio-optimierten Mac Mini von 2010 mit 4 GB RAM und einer 60 GB kleinen SSD, auf dem Roon als Wiedergabe-Software läuft. Der Mac ist via AudioQuest Diamond USB-Kabel an den Mutec MC-3 angebunden und von diesem dann über S/P-DIF BNC mit dem Chord Hugo TT D/A-Wandler verbunden.
  2. dem Streamer Linn Akurate DS/1 als Hauptquelle, der durch erhebliche Modifikationen von Dr. Gert Volk zu einem G-ADS/1 DAC (bei Interesse: http://www.aktives-hoeren.de/viewtopic.php?f=23&t=2708) mutiert ist. Auch hier nutze ich zumeist den Chord Hugo TT als externen Wandler, was Einiges über die Qualitäten des Chord aussagt. Angebunden an das Synology NAS ist der Linn über ein Cardas Audio Clear Network Netzwerkkabel CAT7. Der Linn ist über S/P-DIF BNC mit dem MC-3 verbunden. Dieser wiederum über ein Aqvox S/P-DIF BNC-Kabel mit dem Wandler.
  3. einem Accuphase DP-67 als “klassische” Digitalquelle, hier eingesetzt als CD-Player mit Digitalausgang und verbunden via S/P-DIF RCA) mit dem MC-3 und per S/P-DIF weiter mit dem Chord Hugo TT.

Der Hugo D/A-Wandler reicht alles an eine hochwertige Umschaltbox von Dodocus weiter. Diese “klingt” tatsächlich noch unverfälschter als die vorher im Einsatz befindliche und sehr neutrale Octave HP 500 SE Vorstufe. Von der Box geht es dann symmetrisch direkt in die GamuT D100-Endstufe, die mit Verity Audio Parsifal Encore Laustprechern verbunden ist. Alle analogen Verbindungen sind über Transparent Audio Music Link bzw. Wave Super realisiert. Die Einstellung der Lautstärke folgt, trotz aller möglichen Kritik an der digitalen Regelung, über den Chord-Wandler. Letztlich geht es hier nicht um einen Vergleich der drei Varianten, sondern um die Veränderungen durch die Integration des MC-3+ Smart Clock USB und deren Beitrag zum akustischen Gesamtergebnis.

Den Start macht die vergleichsweise sehnig-präzise aufspielende Kombination aus Mac Mini, MC-3 und Hugo TT. Die ungeschminkte und hoch auflösende Spielweise geht wohl vor allem auf das Konto des AudioQuest Diamond USB-Kabels. Der MC-3 wird sofort von Roon erkannt und kann als neues Device konfiguriert werden, d.h. mit fester Lautstärke, im Exklusiv-Modus und im Integer-Mode – kurz: mit den üblichen Einstellungen für eine möglichst unverfälschte Wiedergabe via Roon.

Was vom ersten Takt an mit dem MC-3 in der Kette begeistert, ist die Selbstverständlichkeit mit der die Musik zwischen, nein auch links und rechts neben und weit hinter den Lautsprechern projiziert wird. Die Musik atmet frei im Raum: unverstellt, losgelöst und im besten Sinne untechnisch. Das macht Spaß! Neben diesem räumlichen Zugewinn werden die einzelnen Schallereignisse freier herausgestellt, klarer konturiert und klingen selbstverständlicher und lebendiger – ich bin geneigt zu sagen: authentischer, „richtiger“ und damit näher an der Aufnahme. Unverstellt bedeutet beispielsweise auch eine hörbare Verlängerung des Ausklingens der Töne: Diese bleiben bis zum Verklingen als Einzelereignisse deutlich hörbar. Diese Attribute sind meines Erachtens alleine schon Grund genug, sich eingehender mit der Bedeutung einer Neutaktung zu befassen. Was in den genannten Ketten offen hörbar ohne Re-Clocking auf der Strecke bleibt, hat mich sehr nachdenklich gestimmt. Dabei bleiben mit dem eingeschleiften MC-3 die klanglichen Signaturen der Quellen genauso erkennbar, wie die Unterschiede zwischen guten und nicht so guten Digitalkabeln mit ihren spezifischen Signaturen. Die Spielart des Mac Minis in der von mir betriebenen Kombination bleibt tendenziell nüchterner und klingt höher auflösend – auch mit dem MC-3. All das jedoch auf einem höheren Gesamtniveau.

Wärmer, musikalischer und für mich einen Tick „richtiger“ klingt es mit dem Linn als Datenlieferanten. Es wird wohl bis auf weiteres meine Lieblingsvariante bleiben. Ich schreibe hier über geschmackliche Nuancen. Musikhören ist mit allen zuvor beschriebenen Varianten ein Genuss!

Wer den Chord Hugo TT als Wandler selbst gehört hat, weiß, dass dieser in der Lage ist, feinstoffliche musikalische Informationen und klangliche Texturen an die Oberfläche zu befördern, dass es eine Wonne ist. Mit dem MC-3 wird dieses Vergnügen noch einmal deutlich gesteigert. Diese Zunahme an Mikrodetails, die bisher verdeckt oder nicht so leicht herauszuhören waren, lassen mich tatsächlich Neues in altbekannten Stücken entdecken und erlauben es, der Musik noch müheloser zu folgen. Zur Erinnerung: das alles bei gleichen Quellen, nahezu identischen Digitalkabeln und dem gleichen Wandler am Ende der digitalen Kette.

Ein Effekt soll hier nicht verschwiegen werden. Beispielsweise werden künstliche, synthetisch erzeugte Räume schneller als solche entlarvt. Die klare Konturierung, zeitliche Präzision macht dies noch einfacher. So werden Sie sich womöglich von mancher liebgewonnenen Illusion verabschieden müssen. Meines Erachtens spricht das für und nicht gegen den Re-Clocker. Ein Mehr an Realismus heißt auch, neue Höreindrücke sammeln zu können oder alte zu hinterfragen. Und darüber, noch mehr in die eigene Musiksammlung einzutauchen zu können, wird sich sicher niemand ernsthaft beklagen.

Und ja, die „Wall of Sound“, die Master Mind Boris Blank vom Schweizer Duo Yello auch auf seinem Solo-Album Electrifed von 2014 z.B. im Track „Midnight Procession“ baut, bereitet immer noch große Freude. Epische Bilder eines Kinofilms, der unmittelbar im Kopf entsteht. Auch künstlich erzeugte Klangwelten bleiben mit dem MC-3 als holistisches Ganzes erlebbar. Der Effekt, den ich von meinem eletrostatischen Stax-Kopfhörer kenne, dass klangliche Einzelereignisse überspitzt formuliert „skelettiert“ vor mir stehen, bleibt – über dynamische Lautsprecher gehört – aus. Der Stax-Elektrostat verrät im Vergleich soviel vom „Kochrezept“, dass die Illusion schnell schwindet – zumindest bei diesem Musikgenre.

Wenn wir gerade über elektronische Musik reden, sollten wir auch über Bass reden! Der reicht weit hinab und ist mit dem MC-3 noch konturierter, kontrollierter und durchgezeichneter geworden. Gut zu hören bei meinem Lieblingsalbum von Fat Freddy’s Drop: Dr. Boondigga and the Big BW von 2009.

Ich nutze gerne mehrere selbst kompilierte Sampler, die mir in ihrer eklektizistischen Zusammenstellung sehr schnell zu Gehör bringen, „wo der Bartel den Most holt“. Darauf enthalten sind auch Stücke von Holly Coles Alben „Don’t smoke in bed“ von 1993 mit dem Cole Porter Song „Get out of town“ oder das Tom Waits Tribute-Album „Temptation“ von 1995 mit dem „Train Song“. Holly Coles Stimme erklingt mitten im Raum, leicht lokalisierbar, nah, intim und mit all ihrer Fähigkeit, unterschiedlichste Stimmungen mit ihrer Stimme zu transportieren. Ihr Triokollege und Bassist David Piltch begleitet Holly mit seinem Kontrabass lebensgroß, scharf konturiert und rhythmisch involvierend. Es klingt vermeintlich nach einem Widerspruch: Die Stücke klingen „laid back“ und zugleich spannungsreich. Das lädt zu ausgedehnten Entdeckungsreisen ein. Die Tracks dieser Sampler habe ich klanglich jedenfalls noch nie so gut über meine Kette gehört – unabhängig vom jeweiligen Zuspieler. Punkt.

Kennen Sie das? Eine innere Stimme sagt: so muss sich das anhören. Es ist wie ein „Einrasten“. Am Ende geht es eben nicht um Samplingraten, Wortbereiten, Kabelqualitäten und -längen oder die Anzahl von LEDs auf der Front. Am Ende geht es um die Musik, das emotionale Erlebnis und das Vermögen der Kette, die Technik vergessen zu machen. Die MC-3+ Smart Clock USB von Mutec bringt mich weiter zum Wesenskern der Musik und lässt diese für sich stehen und strahlen. Dafür gibt’s ein großes Kompliment und eine dicke Empfehlung. Machen wir uns nichts vor: bereits die Gegenwart und vor allem die Zukunft ist digital. Höchste Zeit, die Bits (zeit-)richtig zusammensetzen zu lassen. Und vertrauen Sie niemals Marktforschern, sondern Ihren eigenen Höreindrücken!

Schreibe einen Kommentar