Switch für Audiophile nochmals verbessert

Seit April 2017 besitze ich den AQ-Switch-V1, einen von Aqvox modifizierten D-Link Gigabit-Switch mit acht Ports, der auch heute noch von den Hamburgern angeboten wird. Die lapidare Aussage von Aqvox, warum genau dieser Switch verwendet wird: „… nicht […], weil er besser klingt als andere Switche. Der D-Link klingt genauso schlecht oder gut wie andere Modelle. Wir verwenden ihn, weil unsere Modifikationen hier besonders gut zu implementieren sind.“ Ein weiterer mag gewesen sein, dass dieser Switch von der Anzahl Ports, den Abmessungen her und bzgl. der Preisgestaltung des Herstellers einen guten Kompromiss darstellt und für die meisten Nutzenden mit seinen acht Ports ausreichend dimensioniert sein dürfte.

Den klanglichen Zugewinn, den meine Kette in der digitalen Domäne durch den modifizierten Switch erfuhr, habe ich hier ausführlich beschrieben. Nach dem ersten Hören war klar, das mein „großer“ D-Link DGS 1210-16 im 19-Zoll-Rackformat in den vorzeitigen Ruhestand gehen wird. Nachdem ich wusste, dass es einen Nachfolger gibt, stand schnell die Frage im Raum: Wie groß ist der Unterschied zwischen beiden Varianten der getunten Switche? Wäre der Unterschied überhaupt deutlich wahrnehmbar und die Preisdifferenz zwischen der SE- und der Vorgängerversion so zu rechtfertigen? Und was wäre, wenn der aktuelle AQ-Switch in der Special Edition (SE) testweise die Stelle des V1 in meiner Kette einnehmen würde?

Inaugenschein- und Inbetriebnahme

Unboxing: Alles wie gehabt? Nein. Zunächst überrascht das Gewicht des kleinen, handlichen Kästchens. Das hatte ich anders in Erinnerung. Und richtig, mein V1 ist ein Leichtgewicht dagegen. Das dürfte auch auf das Konto des Butylkautschuks gehen, mit dem das Metallgehäuse des SE ausgekleidet ist, um es ruhig zu stellen. Die Vorgängerversion V1 hat kleine, schwarze quadratische Gummifüße auf der Gehäuseunterseite, die SE-Version etwas höhere transparente und weiche – möglicherweise aus Sorbotan.

Ein ins Metall eingeprägter D-Link-Schriftzug und das Firmenbranding Aqvox Audio Devices prangen auf der Oberseite. Soweit alles beim alten. Doch halt, dazugekommen ist das Signet für den sog. Media Detoxer. Fragen Sie mich nicht, was genau das ist. Einen USB-Entgifter hat der Anbieter ebenfalls im Programm. Soweit zunächst zu den Äußerlichkeiten.

Kommen wir zum Innenleben soweit sich überhaupt konkrete Aussagen dazu machen lassen. Aqvox merkt zu den technischen Modifikationen der SE Version an, dass der „Switch durch Entstörung (Noise) und Optimierung (Jitter) des Datenstroms klangverbessernd“ wirkt. Selbst dann, wenn eigentlich gar kein Verteiler benötigt würde, soll der kleine Kasten in der Kette klanglich segensreich wirken. Auf der Website heißt es, dem SE sei u.a. eine neu entwickelte Phasenkorrektur implementiert worden. Zudem ist ein neuer, optimierter Oszillator an Bord, der deutlich präziser arbeitet. Außerdem verrichten zusätzliche Entstörkomponenten in der Peripheriebeschaltung des Switch Controllers ihren Dienst sowie schnellere Kondensatoren bei der internen Stromversorgung. Zu guter Letzt wurde auch noch das Netzteil optimiert. Die Phasenlage ist auch beim SE auf dem Steckernetzteil mit einem Firmenlogo kenntlich gemacht. Ich komme später noch darauf, warum man diese penibel beachten sollte.

Kaltstart

Ich schließe den neuen Switch mit gleicher Steckerorientierung wie den alten ans Stromnetz an. Er kommt frisch aus der Box und hat demnach noch keine Eingewöhnungsphase hinter sich. Zunächst verbinde ich ihn mit den bisherigen Patch-Kabeln, die in meiner Patchbay enden und mit den beiden rd. ein Meter langen CAT-7-Kabeln in schönstem hellrot, die beide in meinem altbewährten Synology-NAS enden. Das ist sozusagen der erste Streckenabschnitt für den Transport der digitalen Musiksignale. Bei den beiden Cat7-Verbindern handelt es sich zwar nicht um Standardnetzwerkstrippen, aber sicher auch um nichts explizit Audiophiles. Nach der Verkabelung bleibt am AQ-Switch SE kein Port unbelegt. Die Inbetriebnahme sollte auch Netzwerk-Novizen schnell von der Hand gehen. Zu konfigurieren gibt es außerdem nichts. Somit kann es losgehen!

Was nach den ersten Tönen sofort auffällt: die Musik kommt quasi aus dem Nichts. Der sprichwörtliche schwarze Hintergrund ist noch einmal deutlich abgedunkelter. Es herrscht Ruhe zwischen den Klangereignissen! Die Musik kann sich frei entfalten und strahlen. Die Höhen wirken vergleichsweise crisp und betont. Ich mache dafür zunächst den Umstand verantwortlich, dass sich der Switch noch nicht warmlaufen konnte. Aqvox empfiehlt für’s Einspielen übrigens drei bis zehn Tage.

Der aufgespannte Raum – sofern die Aufnahme diesen entsprechend konserviert hat – ist groß, schön in die Tiefe gestaffelt, nach hinten gerückt und die Klangereignisse in der Breite deutlich voneinander abgegrenzt mit viel Platz dazwischen. Schön, denke ich. So kann es weitergehen. Je nuancierter und präziser das Stereopanorama dargestellt wird, desto mehr bin ich jedoch von manchen Aufnahmen irritiert. Scheint sich das Klanggeschehen beim Stück „Kind“ auf dem gleichnamigen Album der Wahlberlinerin Dilon deutlich links der Mitte zu konzentrieren. Bei Meldody Gardots Album „Currency of Man“ und dem Titel „Don’t Misunderstand“ ist wieder im Lot. Ein altbekannter Hut: Je präziser die Kette spielt, desto wahrnehmbarer werden aufnahmeseitige – nennen wir es – „Besonderheiten“. Das spricht für das Wirken des Switches!

Nach dem Aufwärmtraining

Es kommen noch mehr Mikroinformationen zum Vorschein. Feinstoffliches wird frei gelegt, das bisher mitunter überdeckt wurde. Das Nachschwingen von Instrumenten, das Abklingen von Tönen kann mit größerer Leichtigkeit nachvollzogen werden. Ein Resultat ist größere Plastizität, verbesserter Fokus und abermals mehr Raum! Sängerinnen wie Malia stehen klar umrissen und lebensgroß im Raum. Aber selbst nach Tagen des Einspielens wirken die Höhen je nach Track noch etwas spitz.

Hier fällt mir einer der „Beipackzettel“ wieder in die Hände, der die richtige Steckerplatzierung und damit Phasenlage anmahnt. Das Firmenlabel auf dem Steckernetzteil weist auf die richtige Platzierung hin. Und diese ist in meinem Fall leider entgegengesetzt zur Steckerplatzierung des Vorgängers! „Wrong turn“, sozusagen.

Mit der richtigen Phase zur homogenen Wiedergabe

Was nach Korrektur stattfindet, ist keine subtile Veränderung, sondern so, als würde die Musik „einrasten“. Das hat etwas Zwingendes. Die Musik kommt sanfter, fließender aus den Lautsprechern. Das etwas Vorlaute, Crispe in der Höhenwiedergabe gehört der Vergangenheit an. Die Höhen sind homogen und bruchlos in die Wiedergabe eingebunden. Zunächst wirkt das irgendwie trockener, unaufgeregter und auch etwas matter. Vorher klang es durch die Höhenbetonung etwas spektakulärer… Soviel zum Gewöhnungseffekt.

Das Excel-Netzwerkkabel von Aqvox – the missing link?

Ein Etappenziel ist erreicht. Die Integration des SE-Switches ist mehr als geglückt, die klanglichen Meriten schon jetzt offenkundig. Mission accomplished? Noch nicht ganz.

Bleibt die Frage, wie es mit dem Aqvox Excel High-End LAN-/Netzwerkkabel klingt, das nun zwischen dem NAS und dem Switch das bisherige ersetzt. Ich habe dieses Streckensegment bisher vernachlässigt zugunsten des allerletzten Meters von der Netzwerkdose zum Linn Akurate DS. Dort soll ja im Vergleich am meisten durch den Einsatz höchstwertiger Kabel zu holen sein. Dieser ausschließliche Fokus auf dieses Ende des digitalen Übertragungsweges war ein Fehler, um es vorweg zu nehmen!

Das neue Kabel im Zusammenspiel mit dem SE-Switch belohnt mit der Offenlegung von noch mehr Details und Rauminformationen vom ersten Ton an. Die tonale Balance rastet hörbar ein und ist für meinen Geschmack nun vollkommen ausgewogen. Die Restmattigkeit in den Höhen ist passé. Sie war wohl nicht dem SE zuzuschreiben, sondern den mediokren Kabeln. In meinen Notizen steht: „mehr ‚Klarheit’, v.a. Höhenwiedergabe besser; die Bässe haben kein ‚Bäuchlein’ mehr, sondern ein ‚Six-Pack’.“ Die Ausschwingvorgänge sind deutlich nuancierter und transparenter! Der Hintergrund noch einmal schwärzer!

Ich gebe es freimütig zu: die Musik spielt bei mir nicht nur in der Mitte. Neben der Mitten- und Hochtonwiedergabe ist mir eine präzise und tiefe Basswiedergabe wichtig. Ich höre nicht nur Musik mit akustischen Instrumenten, sondern auch allerlei elektronisch Erzeugtes. Eine gute Messlatte ist die Zusammenstellung „Dubstep Allstars Vol. 1“. Sehr, sehr geil, was sich da an definierten und weit hinabreichenden Bässen aus den Lautsprechern katapultiert wird.

Auch GusGus’ Hymne „Thin Ice“ beeindruckt mit knurrenden, trockenen Bässen und natürlich GusGus-mäßig ordentlich Hall auf der Stimme von Daníel Ágúst. Sicher kein audiophiles Juwel, aber alles sehr schön konturiert und auf den Punkt! Großes Kino!

Fazit

Die SE-Variante des getunten D-Link-Switches ist im Zusammenspiel dem Aqvox Excel LAN-/Netzwerkkabel ein Knaller und ein Paket, das Jedem zu empfehlen ist, der die klangliche „Handbremse“ bei Wiedergabe digitaler Quellen lösen möchte.

Zudem liefert der SE im Vergleich mit seinem kleinen Geschwisterchen nicht das berühmte µ Abweichung im Sinne des „Alles-etwas-besser“, sondern ein gänzlich neues Klangniveau. Chapeau! Der SE ist in meiner Kette ein digitaler Ruhepol, trägt maßgeblich dazu bei, die Musik ins richtige Licht zu setzen, das Frequenzspektrum umfassend und fein nuanciert wiederzugeben und in Breite und Tiefe eine Klangbühne mit sehr glaubwürdigen Dimensionen zu schaffen.

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