Funk, firm & open – Vorverstärker MTX von Funk

Kennen Sie das? Es gibt Geräte, um die man jahrelang kreist, sie unter Beobachtung hat und einfach neugierig ist, wie sie denn klingen würden in der eigenen Kette. Ein solches Gerät ist der MTX-Monitor von Funk Tonstudiotechnik, Berlin. Womöglich habe ich ihn schon ein Jahrzehnt lang im Hinterkopf. Der MTX-Monitor V3b ist ein „Botschafter“ aus dem Studiobereich, der zusammen mit seinem kleineren Bruder, dem LAP-Ultralinear-Vorverstärker, richtige Studiotechnik auch für Audio-Afiçionados in den eigenen vier Wänden salonfähig gemacht hat.

MTX V3b Vorverstärker von Funk Tonstudiotechnik (Herstellerfoto)

Aus seiner Abstammung macht der MTX-Vorverstärker keinen Hehl: Das Gerät ist eine Höheneinheit (44 mm) hoch und mit der Option für die Montage in ein 19“-Rack. Die vergleichsweise schlichte und zweckdienliche Verpackung sollte nicht den Blick auf die inneren Werte verstellen. Im High-End-Segment scheint es doch häufig exakt umgekehrt zu sein. In der Beschreibung des MTX heißt es nüchtern, „das Gerät gestattet das Abhören und Überwachen von 8 analogen Stereosignalen“. Und genau das macht es – rein analog und mit größtmöglicher Präzision. Doch dazu gleich mehr. Gehört habe ich im Übrigen mit der Version V3b-4.3.4 ohne das jüngste Update für den eingebauten Kopfhörerverstärker. Weitere Informationen zu Ausstattungsmerkmalen, Gerätevarianten, technischen Details und Preisen finden sich auf der Unternehmenswebsite von Funk Tonstudiotechnik.

Vielfältige analoge Anschlussoptionen – symmetrisch sowie asymmetrisch (Herstellerfoto)

Wer hier bereits andere Beiträge gelesen hat, weiß, dass hier nicht gemessen, sondern gehört wird. Somit bleiben meine Höreindrücke subjektiver Maßstab für die Einordnung und Beurteilung. Im Falle des MTX ist das ohnehin nicht weiter schlimm. Wie kaum ein anderes Gerät ist er in allen relevanten Dimensionen vermessen und sind die Ergebnisse für Jedermann dokumentiert worden. Das „Betriebshandbuch“ allein enthält mehr Messschriebe als ich zu interpretieren in der Lage bin. Es soll aber nicht wenige professionelle Abnehmer geben, die Thomas Funks Geräte aufgrund eben dieser Messewerte geordert haben – ohne sie zuvor einem Hörtest zu unterziehen. Waren das Phantasten? Nein, im Gegenteil: knallharte Berufsnutzer mit dem Fokus darauf, dass die Gerätschaften keinen akustischen „Fingerabdruck“ hinterlassen und einfach funktionieren. Und das sehr lange, ohne dass sich die technischen Parameter verändern oder die Funktionalität in irgendeiner Weise beeinträchtigt wird. In einem sehr kurzweiligen Telefonat führte Herr Funk aus, dass seine früheren Optimierungen von Umschaltern in Studiomischpulten den Verschleiß und die klangliche Verschlechterung letztlich nicht aufgehalten hätten, sondern nur verzögert haben. Das Ergebnis: Relais oder Potentiometer im Signalweg sind im MTX Fehlanzeige! Das Grundlayout des Gerätes existiert schon lange. Für Hifi-Maßstäbe: extrem lange. Es wurde von Herrn Funk in Details, wie aktuell beim eingebauten Kopfhörerverstärker, noch weiter optimiert. Präziser wäre eigentlich „grenz-optimiert“. Allein der ultralineare Frequenzgang bringt vor allem das heute zur Verfügung stehende Mess-Equipment an seine Grenzen. Es werden eher die Unzulänglichkeiten des Mess-Equipments als die des MTX aufgedeckt.

Was bedeutet das aber für die Wiedergabe? Zunächst, die Gewissheit, das frequenzgangbezogene Hügel und Senken nicht dem MTX, sondern anderen Gliedern der Wiedergabekette oder einer gewollt oder ungewollt nicht-linearen Aufnahme anzulasten sind. Tatsächlich hatte ich bis dato noch kein anderes Gerät in meine Kette, das derart(!) neutral aufspielt. Dazu muss ich noch anmerken, dass ich nicht Vorverstärker A vs. Vorverstärker B gehört habe, sondern im Vergleich mit und ohne Vorverstärker an meiner GamuT-Endstufe. Mit dieser dänischen Transistor-Endstufe – übrigens auch mit Studio-Genen – haben auch schon eine Hybrid-Vorstufe von Octave (HP 500 SE) und eine Röhrenvorstufe von Tim de Paravicini (Ear 868) musiziert. Insofern habe ich eine konkrete Vorstellung, wie es auch klingen kann.

Ich war bisher häufig ein bisschen enttäuscht, wenn ich nach dem Hören mit meinen Stax-Kopfhörern wieder auf meine dynamischen Standlautsprecher gewechselt habe und diese Durchhörbarkeit, Sprachverständlichkeit und Ansatzlosigkeit bei der Wiedergabe mit meinen dynamischen Lautsprechern ein Stück vermisst habe. Was hat das mit dem MTX zu tun? Nun, der Unterschied ist seit dem Einsatz des MTX in meiner Kette erheblich geschrumpft. Interessanterweise tragen – wie ich jetzt weiß – die Lautsprecher bzw. das dynamische Lautsprecherprinzip weit weniger zu dieser „Auflösungsdifferenz“ bei. Es ist wohl vor allem die Sorgfalt bei der Aufbereitung und Weitergabe des Signals durch die Vorstufe!

Es gibt zwei Attribute, die ich dem MTX sofort zugeordnet habe: Auflösung und Geschwindigkeit. Das ist bei näherer Betrachtung richtig und falsch zugleich. Es beschreibt die subjektiven Höreindrücke sehr genau, ist rein technisch betrachtet aber nicht korrekt. Ein Beispiel: ich höre ein breites Spektrum an musikalischen Stilrichtungen. Dazu gehört auch Drum&Bass, am liebsten aus UK. Aber auch Deutschland hat mit dem DJ, Produzenten und Labelbetreiber Phace aka Florian Harres aus Hamburg Altona mindestens eine Spitzenkraft für subsonische Gewitter und schnelle Beats, die auch auf dem Insel-Olymp höchste Anerkennung findet. Mit dem MTX habe ich diese Musik so schnell, ansatzlos und konturiert gehört wie nie zuvor in den eigenen vier Wänden. Aber der MTX gibt die Musik objektiv nicht schneller wieder. Dieser Vorverstärker räumt in erheblichem Umfang Störendes aus dem Weg und schafft einen Freiraum, indem sich die Musik frei entfalten kann. Rauschen, Kanalungleichheiten oder Welligkeiten im Frequenzgang – Parameter, die allesamt auf ein lächerliches, kaum messbares und vor allem komplett irrelevantes Maß geschrumpft sind. Dazu mehr als 125 dB Dynamik. Das Ergebnis all dessen?

Ich höre Musik, Klangfarben, Musiker, den Aufnahmeraum: mühelos, durchhörbar, fein verästelt, die einzelnen Klangereignisse klar verortbar. Auch an den Frequenzenden ist alles da. Dabei „erzeugt“ der MTX selbst keinen Raum (wie es manche Klangerzeuger verpackt in Vorverstärkern gerne tun), gibt diesen aber realistisch wieder, wenn er denn bei der Aufnahme so auch eingefangen wurde. Die Musik klingt nach einem „HiRes-Dauerstream“ – gute bis ordentliche Aufnahmen vorausgesetzt. Natürlich werden aus 16 Bit nicht auf wundersame Weise 32 Bit Wortbreite. Aber „gesteigerte Auflösung“ beschreibt den Eindruck trotzdem zutreffend. Durch die hohe Transparenz der Wiedergabe wird der Blick geöffnet auf eine musikalische Landschaft, die bisher möglicherweise ungeordnet, diffus und in Teilen zugedeckt erschien. Mühelos ist es nun möglich, in die Aufnahme hineinzuhören und Details wahrzunehmen, die bisher unentdeckt geblieben waren. Erwarten Sie jedoch keine Wiedergabe, die außerordentlich anspringend oder rhythmisch ist – sofern es die Musik selbst es nicht ist. Es gibt keinen eingebauten „Fußwippfaktor“ (noch ein Gruß nach UK), keine magischen Glanzlichter auf den Höhen, kein Mehr an Raum und keine ins unendliche deutende Bühnentiefe, die nicht Bestandteil der Aufnahme sind.

Überraschend für mich bleibt, dass eine Komponente, mit der die Wiedergabe größtmöglich unbeeinflusst und intakt bleibt, klanglich so deutlich positiv wahrnehmbar ist. Klar, die Vorstufe gilt als tonangebend und klanglich prägend im Duo aus Vor- und Endstufe. Für nicht Wenige ist sie das sonische Herz der ganzen Hifi-Kette. Trotzdem bleibt der „Sprung“ nach vorne überraschend.

Es ist müßig, jetzt – wie zumeist üblich – noch diese und jene Musikbeispiele aus unterschiedlichen Genres zu bemühen. Denn eines ist gewiss: Der MTX punktet in allen gängigen Hifi- und High-End-Disziplinen – bis auf eine. Er straft seine akustischen Fähigkeiten optisch Lügen. Aber lassen Sie sich nicht von seiner sachlich-biederen, wenngleich zweckdienlichen Verpackung täuschen. Der MTX wartet mit mehr Funktionen auf als der High-Ender braucht und gibt bei der Benutzung keine Rätsel auf. Und mal ehrlich, was hat ein halber Zentimeter Metallfront und 10 kg Gehäusegewicht mit dem Klang einer Vorstufe zu tun? Richtig – gar nichts! Wer Linearität gegenüber Euphonie den Vorzug gibt, wer Unzulänglichkeiten lieber der Aufnahme als den eigenen Gerätschaften zuschreiben möchte und einfach die Gewissheit haben möchte, mehr von der aufgenommenen Musik als vom technischen Wiedergabepark zu hören, der ist hier womöglich am Ende der Suche. Ich bin jedenfalls froh, dass schließlich aus der langen Beobachtung eigene Höreindrücke geworden sind und ich die Bekanntschaft dieses ultralinearen Ausnahmevorverstärkers machen durfte.

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